Wenn wir unsere Lage verändern wollen, müssen wir auf der Straße kämpfen/Interview mit dem Comité pour Adama

Comité Adama/Gilets jaunes : « Si nous voulons changer notre destin, nous devons lutter dans la rue »

„Se vogliamo davvero cambiare il nostro destino, dobbiamo lottare nelle strade.“ Intervista al Comitè pour Adama

„If we want to change our destiny we must struggle in the streets“

 

Youcef Brakni ist einer der Sprecher des Adama-Comité. Er hat vorgeschlagen, am 1. Dezember 2018 die Aktionen der Gilets Jaunes Bewegung in Paris zu unterstützen. Dazu gibt es unterschiedliche Positionen. Dazu gibt es unterschiedliche Positionen.

Mizane.info schildert in diesem Interviev die des Comité Adama.

 

Um das Bild, der Mainstream Medien, gerade auch des Staatssenders Deutschlandfunk, zu korrigieren, der die Gilets Jaunes immer häufiger der Klischee – Kategorie „rechte und linksextreme Populisten“ zuordnet. 

Appelliert das Comité Adama  an eine Konvergenz mit den Kämpfen der Gilets Jaunes?

Youssef Brakni: Wir sprechen nicht von einer Konvergenz der Kämpfe, vielmehr von einer Allianz. Konvergenz im eigentlichen Sinne heißt, an einem Ort anzukommen und sich einem bereits Existierenden anzuschließen. In diesem Sinne verwendeten wir den Begriff als wir in den Kämpfen der letzten Jahre, die Bewohner unseres Quartiers aufforderten, ihre Kämpfe zu konvergieren, um sich mit den Organisationen der Linken oder den sozialen Bewegungen zu vereinheitlichen. Konvergenz ist sinnentleert und zu stark konnotiert. Was wir dem Comité Adama empfehlen ist: „Wir sind Alliierte alla pari [gleichgestellt], denn die Gleichheit steht im Zentrum des Zusammenschlusses. Wir beziehen gemeinsam soziale Prügel und wir geben sie zurück – aber wichtig: gemeinsam.

Steht das Comité in Verbindung mit Mitgliedern oder Verantwortlichen der Gilets Jaunes?

Einige Gilets Jaunes unterstützen das Comité Adama. Benjamin Belaidi aus Compiègne gehört dazu. 

Die Frage der Annäherung an die Gilets Jaunes trennt die Aktiven in den Stadtvierteln.

Glaubt ihr, dass es ein Fehler ist, wenn die Bewohner der Quartiers dieser Art sozialer Mobilisierung fernbleiben? Habt ihr Verständnis für diejenigen, die der Ansicht sind, dass es sich hier um zwei unterschiedliche Sorten von Frankreich handele, die nicht vereinbar sind?

Was zählt, ist eine klare Linie zu haben und sich nicht aufzugeben, d.h. die eigenen politischen Überzeugungen nicht zu verraten. Was die soziale Mobilisierung angeht, teilen wir alle eine Präkarität und endemische Arbeitslosigkeit, die in manchen Stadtteilen bis zu 40% ihrer Bewohner ausmacht. Wir teilen einen Sack voller Angelegenheiten, was die soziale Frage angeht. Noch schlimmer ist es meistens für die Bewohner der Peripherie. Keinen Zugang zum Arbeitsmarkt zu haben und in krankmachenden Gebäuden, die dem 19. Jahrhundert würdig sind, leben zu müssen, machen die soziale Frage für uns zu einer völlig gewalttätigen Realität.

„Wir alle haben unseren Platz in dieser Mobilisierung. Wir müssen dabei sein. Macron geht zu weit. Die Auswirkungen seiner Politik auf die Quartiers der Arbeiterklasse, werden mit 10 multipliziert…“

Dazu kommt die Frage des Rassismus und die Verbrechen der Polizei, die in unserer Situation charakteristisch sind und die es gilt, der Öffentlichkeit bekannt zu machen. Wir demonstrieren am 1. Dezember gemeinsam mit den Gilets Jaunes, weil wir den selben Feind vor uns haben, das aber ohne unsere spezifische Lage zu verneinen. 

Werdet ihr von den Gilets Jaunes verlangen, die Liste der Tagesordnung zu erweitern?

Wir verlangen gar nichts. Wir machen das selbst. Was heißt das, Gilets Jaunes zu sein? Es heißt, gegen das teuere Leben, die Steuern, die Erhöhung des Benzinpreises zu sein. Diese Bewegung gehört niemanden allein. Sie gehört denen, die in der Misere leben, bis zum Ende des Monats nicht durchkommen, die am Essen sparen müssen, die sogar manchmal trotz Arbeit auf der Straße leben. Auch wir sind Gilets Jaunes und wir verlangen nichts. Wir tragen unsere spezifische Lage auf die Straße und auch die muss angehört werden.

Was sagt ihr zu den beobachteten rassistischen Episoden?

Wir dürfen den Platz nicht der extremen Rechten überlassen. Aber seien wir ehrlich: Wir begegnen solchen Episoden auch bei Demonstrationen der Linken. Ich wurde bei einer Demonstration zu Palästina von linken Aktivisten gefragt: „Warum deklamierst du Slogans auf arabisch?“ Man muss also nicht auf die Gilets Jaunes schauen, um derartige Verhaltensweisen rassistischen Typs zu registrieren. Wenn ich sehe, wie linke Aktivisten bei solchen Anlässen die Nase rümpfen, kommt mir das Lachen. Man muss auch nur mal schauen wie die Linke moslemische Arbeiter in den Fabriken behandelt und sie beschuldigt, sich in ihrer Gemeinschaft zu sehr einzuschließen. Ich stamme aus der Stadt Seine-Saint-Denis in der die Linke mir verboten hat, als Aktivist aufzutreten. Also nicht die Rechte waren das, sondern die Kommunistische Partei und die Grünen etc. Der Kampf um die Foyers Sonacotra ereignete sich in kommunistisch regierten Städten. In linksregierten Städten wurden Projekte des Moscheebaus blockiert. Das ist Heuchelei. Es gibt schon in einigen Sektionen der Gilets Jaunes rassistisches Verhalten. Das ist jedoch kein allgemeines Spezifikum: Es ist gesellschaftlicher Reflex. Man muss sich fragen, welche Verantwortlichkeiten daraus resultieren. Wenn ein gewisser Teil der Linke, wie die extreme Rechte spricht, wird es zum Problem.

Diese Kritik kann auch Aktivisten in den Quartiers betreffen und nicht nur Aktivisten der Linken…

Ja, weil sich Situationen dieser Art mimetisch reproduzieren und so ihren Schaden anrichten. Man muss darüberstehen und Distanz halten. Mir ist keine Kritik zu Ohren kommen, wenn die Linke derartige Vorkommnisse reproduzierte. Man darf sich aber deswegen nicht fernhalten. Man muss immer Akteur bleiben und Initiative ergreifen. Es ist besser, rassistisches Verhalten gleich anzugreifen, als darauf zu warten, dass die ganze Bewegung rassistisch wird. Das würde bedeuten, dass wir in diesem Fall zwei Gegner hätten: die Gilets Jaunes und Macron! Es gilt also strategische Klugheit zu zeigen. Wenn wir wirklich etwas an unserer Lage in Frankreich ändern und unsere Situation verbessern wollen, müssen wir auf die Straße gehen. Wir alle haben unseren legitimen Platz bei dieser Mobilisierung. Man muss dabei sein, wenn Macron übertreibt. Der Einfluss seiner Politik auf die Quartiers multipliziert sich um zehn. 

ein kürzliches Interview mit Youcef in Bologna

 

 

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